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ANSPRACHE

bei der Einweihung der Donauschwäbischen Gedenkstätte am

„Eisenbahnfriedhof“ in Kikinda,

Dr. Peter Binzberger,

Samstag, 12. Oktober 2002, 10 Uhr.

 

Ich erlebe heute einen Tag tiefer Wehmut, weil ich hier auf dem Friedhof in Kikinda der Einweihung dieser Gedenkstätte beiwohnen kann – und das, fast auf den Tag genau, 58 Jahre nach dem Verlassen meiner Heimat der Kindheit.

weil für mich diese Gedenkstätte die tiefe Verbundenheit unzähliger Donauschwaben in der weiten Welt mit ihren hier im Banat lebenden Verwandten und Landsleuten symbolisiert.

weil die Gedenkstätte die ehrende Achtung der weggezogenen Donauschwaben gegenüber ihren Toten der gleichen Generation sowie auch gegenüber ihren verstorbenen Ahnen bezeugt.

weil die Gedenkstätte zudem ein Beweis ist für die tiefen emotionalen Bindungen der weltweit zerstreuten Donauschwaben mit ihrer „alten“ Heimat und mit ihrer Kirche, in der sie getauft wurden und in der sie ihre ersten kindlichen Gebete zu Gott sprachen.

Ich erlebe heute einen Tag voller Hoffnung und Glück, weil die erstellte Gedenkstätte in gleicher Weise ein Symbol ist für die Verbundenheit der weggezogenen Donauschwaben mit den Mitbürgern aller hier im Banat beheimateten Ethnien.

weil die Ahnen aller dieser Ethnien aus einem von den Türken verwahrlosten Gebiet während zweier Jahrhunderte harter Arbeit, zähem Fleiß und bitteren Entbehrungen dieses herrliche, fruchtbare und reiche Land geschaffen haben.

weil ich in den letzten Monaten bei meinen Besuchen feststellen konnte, dass die Menschen aller Ethnien wieder aufeinander zugehen – vielfach noch vorsichtig, jedoch offenen Geistes und mit verständnisvoller Toleranz für die Wünsche und Bedürfnisse aller Mitbürger.

und weil dieser neue Geist bereits die ersten Früchte trägt zum Wohle aller, die sich nach einem besseren Leben in einer freieren Gesellschaft sehnen.

Ich erlebe heute einen glücklichen Tag, weil ich noch viele weitere positive Signale in meiner „alten“ Heimat erkennen konnte, diese gerne in die Welt mitnehmen und dort über diese guten Eindrücke berichten werde.

An dieser Stelle bedarf es ein Wort des Dankes, des Dankes an alle, die mich in diesem meinem Vorhaben mit ihrer bejahenden Haltung und mit ihren Spenden großherzig unterstützten. Die Realisierung wäre mir ohne dieses Zutun nicht möglich gewesen.

Ganz besonderen Dank aber auch denjenigen, die sich darüber hinaus mit ihrer hilfreichen Arbeit an diesem Projekt beteiligt haben. Namentlich seien genannt Frau Wera Karl, Herr Josef Konrad und Klaus Heß. Dieser Dank gilt jedoch nicht nur den Landsleuten in Deutschland, Österreich, den USA, Kanada und Brasilien, sondern auch denen hier in der alten Heimat, insbesondere der unermüdlichen Frau Martha Istvan und den Herren Rudolf Weiss und Laslo Mandler vom „Deutschen Volksverband“ in Subotica. Desgleichen gilt mein Dank Herrn Dusko Radakovic, dem Bürgermeister meiner Heimatstadt, für die Aufgeschlossenheit und Unterstützung, nicht zuletzt und insbesondere dem derzeitigen Pfarrer der katholischen Kirche in Kikinda, Herrn Jozsef Botka, der mir bei den häufig wechselnden Situationen während der Vorbereitungszeit viel Vertrauen und Wohlwollen entgegengebracht hat.

Desgleichen bedanke ich mich auch bei den Handwerkern, dem Schlossermeister Herrn Karoly Szabo und dem Direktor des Baubetriebes „1. Mai“, Herrn Rade Stoljikovic, die mir während unserer Zusammenarbeit mit ihrer sorgfältigen und pünktlichen Arbeit viel Freude bereiteten. Und nicht zuletzt sei dem jungen, neu gewonnenen Friedhofswärter, Herrn Sandor Levay, gedankt, der sich der Rekultivierung des Friedhofs und der Pflege der Gedenkstätte angenommen hat.