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Totengedenkmesse zu Allerheiligen 2004

Foto: Martha Istvan, Kikinda

 

ABSCHLUSSBERICHT

Rundbrief vom 22. Oktober 2002

GEDENKSTÄTTE IN KIKINDA

Einweihungsfeier, festlicher Gottesdienst, Dokumentation

 

Liebe Landsleute!

ES IST VOLLBRACHT! – Mit Eurer Hilfe und Unterstützung und in Abstimmung mit den Behörden und der katholischen Pfarrei „St. Franziskus“ in Kikinda ist es mir gelungen, nach den Entwürfen unserer Landsmännin Wera Karl, geb. Gyurczy, eine würdige Gedenkstätte am „Eisenbahnfriedhof“ zu erstellen. Das gleiche Kreuz wie auf der Gedenkstätte ließ ich mit einer dreiseitigen metallenen Schriftkonstruktion auf dem nahegelegenen Massengrab errichten. Von vielen Seiten erreichten mich anerkennende Worte über die schöne, beeindruckende Gestaltung – ich gebe diese an alle Mithelfenden und Mitwirkenden weiter. Gleichzeitig bedanke ich mich bei allen Landsleuten für die großartige Unterstützung.

DIE EINWEIHUNG fand am Samstag, 12. Oktober 2002 von 10 bis 12 Uhr statt. Diese feierliche Einweihung des „Memento mori“-Mahnmals für die Donauschwaben beehrten über 150 Personen mit ihrer Anwesenheit. Etwa fünfzig Landsleute waren aus den USA, von Deutschland, Österreich, Ungarn und Italien angereist. Weitere siebzig anwesende Donauschwaben, einige Ungarn und einzelne Serben waren aus Kikinda und der Umgebung gekommen. Vertreter der Kirchen, der Verwaltungen, einiger ethnischer Organisationen und der Medien erhöhten die Besucherzahl auf die oben genannte Anzahl von 150 bis 160 Personen. Zunächst begrüßte ich die Gäste, dankte allen Mithelfenden und Spendern, gedachte der toten Angehörigen und Landsleute und schloss meine Ansprache verbunden mit der Hoffnung auf ein zukünftiges friedliches Miteinander der Ethnien in der alten Heimat. (Dies wurde von mir in Deutsch und Serbisch vorgetragen und von Martha István in Ungarisch wiedergegeben.) Anschließend folgten seitens der geladenen Ehrengäste die Grußworte, Einsegnungs-Gebete, Kranz- und Blumenniederlegungen. Das Solisten-Damen- Duett des Ev. Kirchenchors – die Frauen Vesna Weiss und Erika Márton – bereicherte diesen feierlichen Teil an der Gedenkstätte mit dem Vortrag einiger deutscher Kirchenlieder. Der „Deutsche Volksverband“ hatte mehrere hochgestellte Ehrengäste zur Gedenkstätteneinweihung geladen. Der Einladung waren die nachstehend genannten Ehrengäste oder ihre persönlichen Vertreter gefolgt: Herr Sandor Egeresi, Vizepräsident der Volksversammlung des Autonomen Gebietes Vojvodina (A.P.V.) von Novi Sad, Frau Direktor Dušanka Manić, zuständig für die Ethnien im Innenministerium der Vojvodina in Novi Sad, Herr Vizebürgermeister Sandor Talpai, als Vertreter des Kikindaer Bürgermeisters Duško Radaković, Msgr. Jozsef Miocs, Direktor des „Paulinum Seminars“ der katholischen Kirche aus Subotica,

Dechant Karoly Márton, Bischof der Evang.-Reformierten Kirche des Banats, Kaplan Pál Szemeredi als Vertreter des Pfarrers Jozsef Botka von der Pfarrei „St. Franziskus“ in Kikinda. Die Donauschwaben aus dem Ausland waren repräsentiert durch Herrn Hans Supritz, den Bundesvorsitzenden und Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg der „Landsmannschaft der Donauschwaben e.V.“ und den Landesvorsitzenden der „Donauschwaben Rheinland-Pfalz“ gleichzeitig als Referent für Gedenkstätten in der BRD, Herrn Josef Jerger, Ludwigshafen/Rh. Die Donauschwaben der Heimat vertrat Herr Laslo Mandler, Vizepräsident des „Deutschen Volksverbandes“ in Subotica. Mit Delegationen und Blumenniederlegungen beehrten uns auch Frau Hilda Banski und Herr Konečni von der Kikindaer Gruppe des deutschen Verbandes „Donau“ aus Novi Sad, das „Banater Forum“ aus Pančevo, das „Forum Batschka“ und der „Ungarische Volksverband“ aus Kikinda. Landsmann Josef Konrad aus Amerika ehrte unsere Toten im Namen der weltweit verstreut wohnenden Donauschwaben mit einem sehr schönen, großen Kranz. Die HOG-Nakodorf wurde von Landsmann Franz Kahles und die HOG der Schwestergemeinden St. Hubert-Charleville-Soltur von den Landsleuten Bernhard Schenk und Adam Hess vertreten. Alle gedachten der Toten mit Grußworten und Kränzen/Blumengebinden. Weitere angereiste Landsleute und zahlreiche noch im Banat lebende Donauschwaben ehrten die Toten allein durch ihre Anwesenheit und einige auch mit Blumengebinden.

Anschließend gingen die Versammelten zum nahen Massengrab. Dort weihten die Priester die Erde der Grabstätte und das darauf errichtete große Kreuz. Im Namen der weltweiten Gemeinschaft der Donauschwaben legte auch hier Josef Konrad einen Kranz mit zartroten Nelken nieder. Diesem Beispiel folgten viele Landsleute und Delegationen – auch Herr Egeresi und Frau Manić als Regierungsvertreter – und ehrten so unsere Toten im Massengrab mit Blumengebinden und Grablichtern.

 

Die Eingravierungen auf dem Granit der Gedenkstätte lauten:

1944 – 1948

UNSEREN LANDSLEUTEN, DEN OPFERN DER GEWALT

– in deutscher, serbischer und ungarischer Sprache –

DAS WAPPEN DER DONAUSCHABEN

Die Donauschwaben von Kikinda und Umgebung 2002

Auf den Granitabdeckungen der sechs Poller sind jeweils zwei Ortsnamen, daneben ein Kreuz sowie die dazugehörige Zahl der dokumentierten Todesopfer dieser Gemeinden eingraviert. Auf der kleinen Granittafel am Kreuzfuß stehen die gleichen Angaben von der Kreisstadt Kikinda. Linke Poller (von oben): BOTSCHAR + 8, MOKRIN + (die Totenzahl fehlt, da unbekannt), NAKODORF + 75, St. HUBERT + 71, CHARLEVILLE + 67, SOLTUR + 55, Mitte beim Kreuz: KIKINDA + 168. Rechte Poller (von oben): HEUFELD + 53, MASTORT + 39, RUSKODORF + 9, BAN. TOPOLA + 46, SANAD + 30, BIKATSCH + 22.

 

Auf den drei Tafeln des Massengrabkreuzes lautet der Text:

– in den Sprachen deutsch, serbisch, ungarisch –

DER LEIDENSWEG MEHRERER HUNDERT

UNSERER MITBÜRGER DEUTSCHER VOLKSZUGEHÖRIGKEIT

DES LAGERS „MILCHHALLE“ IN KIKINDA

ENDETE 1944 – 1947 HIER.

Mögen die Toten in Frieden ruhen!

Die Donauschwaben aus Kikinda und Umgebung 2002