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Peter Binzberger  >  Alleinsein  >  Leseprobe 1

Irritationen im Alleinsein

... Ein Gefühl der Leere, des Verlorenseins, der Sinnlosigkeit des Weiterlebens hatte sich meines Geistes bemächtigt und lähmte das klare Denken. Mein Wille hatte jede Entscheidungskraft verloren. Während mehrerer Tage oder gar Wochen ergriff ich keinerlei Initiativen und ließ mich treiben. Willenlos wandelte ich wie auf unsicherem Boden im Grau eines dichten, bleiernen, alles erstickenden Gefühlsnebels. Der verzweifelte Aufschrei meiner wunden, einsamen, partnerlos gewordenen Seele irritierte mich so sehr, dass ich den Gaukelbildern meiner Wunschfantasien wie in Trance folgte. In diesem alles vernichtenden und jede Realität zerstörenden Alleinsein drohte mich die Einsamkeit zu zerbrechen.

 

... In meiner Trauer erdrückte mich fast die Leere der Wohnung, die Leere der Räume in denen noch der Hauch des Glücks einer seelenvollen Liebe zweier zum Eins gewordener Menschen nachzuschwingen schien, in denen fast jeder Gegenstand, jedes Bild, jede Blume, jeder Blick in den blühenden Garten oder zum spiegelnden See hin wehmutsvoll in den Erinnerungen des gemeinsam erlebten Glücks hängen blieb. Ich war versucht, die Zeit anzuhalten – anzuhalten, um das Glück meines Lebens in die Zukunft zu retten! Völlig irreal! ...